Was künstliche Intelligenz verspricht und wie die „übermenschliche Realität“ aussieht

IN Machine Learning — 21 July, 2017

Watson, Einstein, Leonardo. Diese Namen wurden für Produkte gewählt, die auf künstlicher Intelligenz (KI) basieren, weil sie Assoziationen zu den brillantesten Köpfen der Geschichte wecken. Deren Einfluss auf die Menschheit war so bedeutend, dass die Welt durch sie verbessert wurde. 


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Werden wir in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten erleben, dass KI mit diesen Genies der Geschichte gleichzieht? Wohl eher nicht. Allerdings zeigen neueste Fortschritte in der Anwendung von Machine-Learning-Lösungen, dass dank spezialisierter KI-Systeme auch heute „übermenschliche“ Leistungen möglich sind. Computerprogramme schlagen die Weltmeister in Schach und Go, während die Warendisposition und die Preisgestaltung im Einzelhandel durch KI optimiert werden und selbstfahrende Autos schon bald in Serie gehen.

Schachgroßmeister Kasparow hat kürzlich sein Buch „Deep Thinking“ veröffentlicht, worin er beschreibt, wie er 1997 vom IBM-Schachcomputer Deep Blue geschlagen wurde. In der ersten Zeit zielten die Entwickler von Schachprogammen darauf ab, menschliche Intelligenz zu imitieren. Die erfolgreichen Programme haben das Problem dann allerdings durch Brute-Force-Berechnungen gelöst. Inzwischen produzieren sie Leistungen, die weit über die menschlichen Fähigkeiten hinausgehen. Rechner werden für das eingesetzt, was sie am besten können: Daten und Zahlen verarbeiten. In seiner Buchrezension gibt Nicholas Carr eine sehr gute Übersicht über diesen Aspekt. Wer aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts etwas lernen möchte, liest aber Kasparows Buch lieber selbst.

Ich glaube, dass kein Grund zur Sorge besteht, Maschinen könnten uns Menschen bald ganz ersetzen. Maschinen werden in den nächsten Jahrzehnten nicht empfindungsfähig werden. Sie werden uns auch nicht das Denken abnehmen und das Schicksal der Menschheit bestimmen. Stattdessen werden wir zunehmend erleben, wie spezialisierte KI-Systeme in ganz bestimmten Fällen die menschliche Leistung übertreffen. In einem aktuellen Blogartikel sagen Experten voraus, wann KI-basierte Systeme den Menschen in unterschiedlichen Bereichen übertreffen und möglicherweise auch überflüssig machen. So wird geschätzt, dass in den nächsten 5 bis 30 Jahren KI-Systeme den durchschnittlichen Verkäufer im Handel ersetzen werden.

Maschinen mit allgemeiner Intelligenz wird es kurz- bis mittelfristig hingegen noch nicht geben. Auch wenn KI in Verruf geraten sollte, weil die hohen Erwartungen nicht erfüllt werden, sind spezialisierte Lösungen mit übermenschlichen Fähigkeiten nicht aufzuhalten. Diese Lösungen werden entwickelt und eingesetzt, weil sie ganz bestimmte Aufgaben übernehmen und besser ausführen können als ein Mensch.

In der Geschichte der Menschheit wurden schon immer neue Technologien entwickelt und eingesetzt, um das Leben der Menschen zu vereinfachen und zu verbessern. So wurden beispielsweise während der industriellen Revolution mechanische Webstühle gebaut, die die Handarbeit der Arbeiter ablösten, um die Produktivität zu steigern. Dank dieser Webstühle und vieler anderer Maschinen konnte schneller und in größeren Mengen produziert werden. Heute setzen wir Computer und Machine Learning ein, um praktische Probleme zu lösen und die Produktivität zu steigern. KI wird uns Tätigkeiten abnehmen, die wir nur sehr begrenzt selbst ausführen können, wie Datenverarbeitung oder statistische Auswertungen. Dadurch können wir uns auf unsere Stärken wie kreatives Denken oder Selbstreflexion konzentrieren. Die Auswirkungen des technischen Fortschritts auf uns als Individuen und auf die gesamte Gesellschaft werden gravierend sein – auch ohne allgemeine Intelligenz der Maschinen.

Jan Karstens Jan Karstens

Jan, CTO, is responsible for product and technology development and thus for the “heart” of the Blue Yonder software. He has over 15 years of experience in software engineering and in software architecture as well as in modern database technologies.