Chancen für den Modehandel im digitalen Zeitalter

IN Modehandel — 02 August, 2017

Verbraucher messen den Modehandel an den Kriterien Auswahl, Vielfalt, Verfügbarkeit und Preis-Leistung. Seit allerdings das Modeangebot schneller wächst als die Nachfrage, ändern sich die Spielregeln des Marktes. Wer Erfolg haben will, muss seine Kunden verstehen und dialogfähig sein.

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Das zukunftsorientierte Modeunternehmen erkennt Trends, Strömungen und Gelegenheiten schnell. Es entwickelt eine einzigartige Beziehung zu seinen Kunden. Dabei gilt es, die Kosten im Blick zu behalten. Wer smarte Wege zur Kostensenkung findet und in dieser Hinsicht eine führende Rolle einnimmt, erschließt sich die notwendigen Ressourcen, um immer ein bisschen besser zu sein als der Wettbewerb.

Die „Platzhirsche“ des Modehandels kennen ihre Kunden und haben es zudem geschafft, sich über Standort- und Quartiersentwicklungen beträchtliche Kostenvorteile bei der Miete, im Marketing und Frequenzmanagement zu sichern. Vertikalen Händlern gelingt es, Modetrends schnell und flächendeckend in den Verkauf zu bringen und zugleich diverse Kostenvorteile in der Produktion zu realisieren.

Auch Amazon schafft diesen Spagat: Als „Single Point of Truth“ für viele Bedarfe generiert die Digitalplattform gigantische Traffic-Ströme im Internet, während viele Wettbewerber im digitalen Umfeld sich Traffic teuer erkaufen oder ersteigern müssen. Die Zukunft im Modehandel gehört denjenigen, die kundenzentriert handeln und sich finanzielle Spielräume schaffen, um in die Pflege und Entwicklung ihrer Geschäftsmodelle zu investieren.

Plattformen und bewährte Konzepte

Plattformen werden den Modehandel der Zukunft prägen, weil sie den Kunden die größte Auswahl und Vielfalt, die höchste Verfügbarkeit und die günstigsten Preise bieten. Neue Technologien eröffnen zudem die Möglichkeit, Kunden zu jeder Zeit und in jeder Situation perfekte personalisierte Angebote zu machen.

Wer sich dieser Übermacht entgegenstellen will, muss die eigenen Stärken kennen und leben. Vertikalen Anbietern gelingt das mit Produkten, die es nur bei ihnen gibt und mit denen sich die Kunden identifizieren. Lokale „Platzhirsche“ bieten neben der Ware eine persönliche Beratung sowie Aufenthaltsqualität und wecken damit beim Kunden ein Gefühl der Zugehörigkeit. Denn letztlich bedeutet Mode viel mehr als Bekleidung, die über den Handel ausgetauscht wird, indem er Angebot und Nachfrage zusammenbringt. Wem es gelingt, Menschen mitzunehmen, wird seine Existenzberechtigung neben den Plattformen langfristig erhalten.

Neue Möglichkeiten mit Machine Learning

Wäre es nicht toll, Mitarbeiter von Routinetätigkeiten entlasten zu können, um ihnen mehr Zeit einzuräumen für kreative Projekte, die ihre Arbeit schneller, besser und ertragreicher machen? Wäre es nicht super, Preise und Mengen für jeden Artikel exakt zu prognostizieren, um immer die richtige Menge zu ordern? Wäre es nicht fantastisch, per Knopfdruck analysieren zu können, warum welche Kunden bestimmte Artikel, Warengruppen oder Marken gar nicht mehr oder – im Gegenteil – in größeren Mengen kaufen?

Machine Learning kann uns von Routinetätigkeiten entlasten, unsere Prognosekraft verbessern und uns Erkenntnisse liefern, die wir ohne leistungsfähige Algorithmen niemals gewinnen könnten. Wir verfügen über die Daten, leistungsfähige Technologien existieren und es gibt ausgereifte Algorithmen, die Machine Learning ermöglichen. Warum nutzen wir Sie nicht? Vielleicht, weil unserer Erfahrung nach die erfolgreichsten Modehändler immer diejenigen sind, die ein Herz für die Menschen und für ihre Ware haben. Die kopflastig geführten Unternehmen konnten schließlich im Wettbewerb häufig nicht bestehen.

Ich denke, es wird Zeit, allzu starre Positionen zu überdenken. Das Wettbewerbsumfeld ist in Bewegung. Im Modehandel zeigen sich neue, leistungsfähigere Handelsformate. Öffnen wir uns für Neues und lassen Sie uns mit Herz und Verstand herausragende Leistungen erbringen!

 

Dr. Carsten Lurse Dr. Carsten Lurse

Strategieberater und Manager für Konsumgüter und Handel sowie Partner und Gesellschafter der Unternehmensberatung h+p