Einzelhandel: Wiederbelebung oder Überlebenskampf? KI leitet eine neue Ära ein

IN Artificial Intelligence — 19 June, 2018

Während Anfang 2017 Schlagzeilen wie "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben" (WELT, Februar 2017) noch gang und gäbe waren und viele große Einzelhandelsketten Filialschließungen ankündigten, stellt sich die Lage des stationären Einzelhandels laut Statista im Frühjahr 2018 positiver dar. Bei einer Erhebung des Unternehmens bewertete eine Mehrzahl der befragten Einzelhandelsunternehmen die Geschäftslage als positiv. Deloitte spricht in einer internationalen Studie 2018 sogar von einer "Retail Renaissance" und prophezeit dem stationären Einzelhandel bis zum Jahr 2022 ein Umsatzwachstum von 36 Milliarden US-Dollar. Entgegen der allgemeinen Meinung scheint der innerstädtische Einzelhandel also quicklebendig zu sein.

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Laut Wirtschaftsmagazin Forbes nimmt der Onlinehandel den Ladengeschäften keinen erheblichen Umsatz weg. Der Anteil des Onlinehandels sei nicht stark genug gestiegen, um den physischen Filialen Umsatzeinbußen zu bescheren. Der Deloitte-Bericht sieht darüber hinaus eine Wiederbelebung des stationären Handels und neue Geschäftsmöglichkeiten über die gesamte Branche hinweg. Worauf gründet sich dieser Optimismus?

Zusätzliche Kanäle 

Die Belebung des stationären Einzelhandels ist zum großen Teil einer neuen Omnichannel-Einkaufskultur geschuldet. Während für manche Kunden Onlineshopping sehr bequem ist, ziehen andere es vor, ein Produkt ansehen und anfassen zu können, selbst wenn sie es im Vorfeld online recherchiert haben - und umgekehrt. Die unterschiedlichen Kanäle ergänzen sich und kurbeln ingesamt den Umsatz an. Dass in den letzten sechs Monaten dennoch einige Geschäfte geschlossen wurden, zeugt eher von der Schwierigkeit, sich an Multichannel-Shopping oder die hohen Kundenanforderungen anzupassen, als vom Sterben des stationären Einzelhandels allgemein. Es gilt das Prinzip "Nur die Besten überleben".

Automatisierung

Derzeit arbeiten Einzelhändler im Schnitt mit 39 unterschiedlichen Systemen und manuellen Prozessen. Dazu gehören u.a. die Preisgestaltung, das Warenbestandsmanagement, E-Mail-Marketing und Social Media. Solange die Prozesse nicht vernetzt sind, ist es für Einzelhändler unmöglich, wirklich agil zu werden oder eine einheitliche Sicht auf die Kunden zu bekommen.

Integration und Automatisierung erlauben den Einzelhändlern dagegen, Prozesse zu überprüfen und Routinetätigkeiten schneller und fehlerfreier von Maschinen erledigen zu lassen. Sind die neuralgischen Punkte im Geschäft erst einmal identifiziert, können Einzelhändler Maßnahmen zur Optimierung ergreifen. Die Automatisierung liefert täglich präzise Entscheidungen, die Kosten reduzieren und das Wachstum von Umsatz und Profitabilität fördern. Den Mitarbeiter bleibt mehr Zeit für hochwertige Aufgaben, die Gewinn erwirtschaften.

Data

Der Deloitte-Report beschreibt Daten als die Währung, die es der nächsten Generation des Einzelhandels erlaubt, das Einkaufserlebnis deutlich zu optimieren. Erfolgreiche stationäre Einzelhändler nutzen Kunden- und externe Daten, um den Konsumenten eine persönliche und individuelle 360-Grad-Erfahrung passend zu ihren Anforderungen zu bieten. Das Ergebnis? Eine höhere Frequenz und mehr Umsatz in den Filialen.

"Mein Rat für Einzelhändler: Beginnen Sie noch heute, Ihre Daten zu nutzen! Daten sind unglaublich wertvoll. Mithilfe von Daten lassen sich sowohl die Supply-Chain- und die Produktionsprozesse optimieren als auch die Einkaufs- und Preispolitik zusammenbringen - in einen komplett algorithmischen Handel."

Prof. Dr. Michael Feindt, Founder & Chief Scientific Officer, Blue Yonder

Künstliche Intelligenz

Im Schnitt hat mehr als ein Drittel der Einzelhändler bereits KI-Technologie im Einsatz, laut Deloitte vor allem für die Preisgestaltung und für Werbeaktionen. Durch KI-basierte Entscheidungen lassen sich die Warenbestände und die Preise optimieren.

"Ursprünglich waren wissenschaftliche Algorithmen sehr einfach aufgebaut und nicht durch Machine Learning verbessert. KI nutzt Daten, um präzise Prognosen zu erstellen, und genaue Anweisungen zu geben, welche Maßnahmen ergriffen werden sollten  und zwar immer ausgerichtet an den spezifischen Zielen des jeweiligen Einzelhändlers."

Prof. Dr. Michael Feindt, Founder & Chief Scientific Officer, Blue Yonder

Einzelhändler, die entweder mit eigenen oder mit externen KI-Spezialisten zusammenarbeiten, kennen ihre Kunden und deren Wünsche ganz genau und können die Customer Experience wesentlich verbessern — beides wichtige Säulen im modernen Einzelhandel.

  

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