Robotics4Retail-Konferenz: „In Sachen Intelligenz stecken uns die Roboter schon längst in die Tasche“

IN Events & Awards — 28 September, 2017

Blue Yonder Gründer und CSO Prof. Dr. Michael Feindt erklärt als Keynote-Speaker auf der EHI Robotics4Retail-Konferenz 2017, in welchen Bereichen des Handels Roboter den Menschen längst überflügeln und wie künstliche Intelligenz und Machine Learning erfolgreich genutzt werden können.

Robotics4Retail Konferenz 2017

Das ultimative Ziel der Forschung zur künstlichen Intelligenz ist die sogenannte Artificial General Intelligence (AGI) auf menschlichem Niveau. Davon sind die heute eingesetzten KI-Technologien noch weit entfernt. Allerdings zeigen neueste Fortschritte in der Anwendung von Machine-Learning-Lösungen, dass dank spezialisierter KI-Systeme schon „übermenschliche“ Leistungen möglich sind, z.B. bei Strategie-Spielen wie „Go“, aber insbesondere auch in der Qualität von Entscheidungen in Handelsunternehmen. Wie diese „übermenschliche Realität“ aussieht, hat Jan Karstens, CTO bei Blue Yonder, kürzlich in einem Blogbeitrag beschrieben.

Was macht Maschinen intelligent?

Feindt beschreibt zwei Hauptströmungen der künstlichen Intelligenz: Einerseits lernen Maschinen, was Menschen eigentlich leicht fällt. So wird beispielsweise Deep Learning auf Basis neuronaler Netze für die Bilderkennung eingesetzt, was hilft, die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine zu erleichtern und die Automatisierung voranzutreiben. Google investierte eine Milliarde US-Dollar in Rechenzeit zum Training solcher neuronalen Netze. Gleichzeitig werden intelligente Algorithmen genutzt, um konkrete Fragestellungen zu beantworten. Die Fähigkeit, sich aufgrund von beobachteten oder simulierten Daten durch Machine Learning permanent selbst zu optimieren, macht die Maschinen in einigen Bereichen besser als die besten Experten!

Künstliche Intelligenz im Handel

Der Handel profitiert in erster Linie im operativen Bereich von diesen intelligenten Machine-Learning-Algorithmen, die automatisierte datengetriebene Entscheidungen liefern. Vor allem wiederholte Entscheidungen lassen sich durch die Technologie wesentlich präziser treffen, als es ein Mensch mit seinem berühmten „Bauchgefühl“ je könnte – insbesondere, wenn es um Tausende von täglichen Entscheidungen auf Artikelebene geht. Denn hier sind Menschen allein schon durch die riesige Menge an Daten, die es zu berücksichtigen gilt, überfordert. Hinzu kommt, dass menschliche Entscheidungen Verzerrungen (cognitive biases) unterworfen und immer subjektiv sind. Vor allem in der Warendisposition, der Preisgestaltung oder dem Katalogversand lassen sich deshalb durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz enorme Verbesserungen erzielen.

Den Schlüssel zu besseren Entscheidungen im Zeitalter der Digitalisierung sieht Feindt im Einsatz von Preditive Analytics, Prescriptive Analytics und Decision Automation auf Basis von objektiven Daten. Konkret heißt das für den Handel: in präzisen Bedarfsprognosen, richtiger Optimierung und automatisierten täglichen Dispositions- und Preisentscheidungen – und das idealerweise unter Berücksichtigung einer Vielzahl von Einflussfaktoren, die die Kundennachfrage beeinflussen.

Sowohl die Disposition von Frischeprodukten im Lebensmittelhandel als auch die Preisgestaltung im Modehandel wird so von fortschrittlichen Unternehmen heute bereits bis zu 99 % automatisiert. Die Automatisierung der Bestellentscheidungen führt bei der Warendisposition von Frischeprodukten zu weniger Lebensmittelvernichtung, weniger Kapitaleinsatz sowie weniger Fehlartikeln. Gleichzeitig sorgt sie für höchste Frische, mehr Effizienz und höheren Umsatz.

Feindt schließt seinen Vortrag mit der Beobachtung, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz im B2C-Handel in den USA fast schon selbstverständlich ist, während europäische Firmen noch sehr zurückhaltend gegenüber neuer Technologie sind. Insbesondere in Deutschland lähmt die „German Angst“ die Innovationsfähigkeit von Unternehmen in diesem Bereich. Dabei sind Technologie, Ausbildung und technisches Know-how in Deutschland mindestens so gut wie in den USA, betont Feindt. Wer den amerikanischen Giganten nicht freiwillig den Markt überlassen will, muss allerdings handeln – und zwar jetzt!

 

R4R – Robotics for Retail-Initiative

Die Konferenz ist Teil der Robotics4Retail-Initiative des EHI Retail Institute zum Thema Automatisierung und Robotics in der Handelslogistik und am POS. In zahlreichen Praxisvorträgen gaben Experten Einblicke in die momentan wichtigsten Technologietrends im Handel und lieferten wichtige Anregungen für Projekte im eigenen Unternehmen.

 

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