Global oder lokal: Wie wollen Konsumenten im Lebensmittelhandel einkaufen?

IN Lebensmittelhandel — 12 April, 2018

Online-Shopping hat die Welt in ein globales Einkaufszentrum verwandelt. Weltweit hat sich die Container-Seefracht um beinahe das 17-Fache von 102 Mio. Tonnen im Jahr 1980 auf 1,72 Mio. Tonnen im vergangenen Jahr erhöht. Der Singles’ Day in China hat sich zu einem der größten E-Commerce-Feiertage der Welt entwickelt. 2017 verkaufte der chinesische Einzelhandelskonzern Alibaba Produkte aus 192 Ländern. Konsumenten in Europa und darüber hinaus kaufen immer häufiger über Grenzen hinweg ein. 

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Gleichzeitig gibt es inzwischen einen starken Trend zu gesunder Ernährung und ethischem Einkauf sowie zur Unterstützung lokaler Bauern, Erzeuger und Hersteller. Der Gedanke dahinter ist, dass Waren, die nicht um die halbe Welt unterwegs waren, besser schmecken und mehr Nährstoffe enthalten.

Hinzu kommt die Tatsache, dass Konsumenten immer seltener einem bestimmten Geschäft die Treue halten. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass sie sich beim Einkauf einmal für das eine, ein andermal für den anderen Laden entscheiden, je nachdem, ob er günstig gelegen ist und die gewünschten Produkte sicher vorrätig hat oder die angebotene Ware nach ethischen Standards produziert wurde – im eigenen Land oder woanders. 

Worauf also achtet der Verbraucher heute beim Lebensmitteleinkauf? Will er die große Vielfalt und Neuheit globaler Waren oder zieht er lokale Produkte mit kurzen Transportwegen vor?

Schutz der Umwelt

Die Unterstützung lokaler Erzeugung avanciert zunehmend zur Notwendigkeit, um Kunden zu gewinnen und zu halten. Für eine wachsende Zahl der Konsumenten, die nach nachhaltigen Lebensmitteln sucht und sowohl die regionale Wirtschaft unterstützen als auch etwas für die Umwelt tun will, ist die Verfügbarkeit der entsprechenden Produkte ausschlaggebend für die Kaufentscheidung und die Wahl des Geschäfts.

Eine Umfrage des grenzüberschreitenden Logistikunternehmens B2C Europe in Großbritannien, den Niederlanden und Frankreich hat ergeben, dass 85 % der Befragten eine Lieferzeit für „grüne Lieferungen“ von sechs bis acht Tagen oder eine Standardlieferzeit von drei bis fünf Tagen einer Expresslieferung vorziehen. Nachdem sie erfahren hatten, dass kürzere Lieferzeiten zu höherem Verkehrsaufkommen und mehr Luftverschmutzung führen, sagten nur 10 % der Umfrageteilnehmer, dass sie eine Expresslieferung vorzögen.

Global oder lokal?

Wenn die Verbraucher beim Kauf von Lebensmitteln die Wahl haben zwischen internationalen Marken und regionalen Anbietern, welche Produkte ziehen sie vor? Die Antwort: Das hängt in erster Linie von der Art der Produkte ab.

Bei Frischwaren entscheiden sie sich – wenig überraschend – eher für den Anbieter aus der Region. Das globale Mess- und Datenanalyse-Unternehmen Nielsen hat zu diesem Thema eine internationale Verbraucherstudie durchgeführt. Die Mehrheit der Teilnehmer erklärte, beim Lebensmittelkauf lokale Marken den globalen vorzuziehen (Gemüse: 68 % vs. 11 %, Fleisch: 66 % vs. 13 %, Früchte: 64 % vs. 12 %).

Laut einer ähnlichen Studie der Unternehmensberatung ATKearney halten Käufer wesentlich mehr von Einzelhändlern, die lokale Waren anbieten. Darüber hinaus gibt die Hälfte der Verbraucher an, dass sie bereit wäre, für regional angebaute oder hergestellte Produkte bis zu 10 % mehr zu bezahlen – jeder Dritte würde sogar bis zu 25 % mehr bezahlen.

Bei Tiefkühlgerichten und Konserven überwiegt allerdings die Bequemlichkeit: Der Großteil der Befragten in Europa gibt an, dass bei abgepackten Süßigkeiten, Snacks und Fertigmahlzeiten die Herkunft kaum eine Rolle spielt.

„Wer bei verpackten Lebensmitteln und im Snack-Sortiment erfolgreich sein will, muss lokale Geschmacksvorlieben und Essgewohnheiten kennen und in der Produktentwicklung berücksichtigen. Regionale Unternehmen kennen die Vorlieben der Verbraucher meist besser und können schneller auf sich verändernde Kundenbedürfnisse reagieren.“

Patrick Dodd, Group President, Nielsen Growth Markets

Frische wird großgeschrieben

Laut der internationalen Studie von ATKearney ist für Verbraucher die Produktfrische mit Abstand das wichtigste Kriterium beim Lebensmitteleinkauf, gefolgt vom Preis.
Viele Kunden wollen beides, frisch und regional, vor allem bei Obst und Gemüse, Fertiggerichten, Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten, Milch und Eiern sowie Brot. Die lokale Lebensmittelbeschaffung ist deshalb für viele Lebensmittelhändler ein wirkungsvolles Mittel, um Produktfrische zu garantieren und sich im wettbewerbsintensiven Lebensmittelmarkt zu differenzieren.

Automatisierung und künstliche Intelligenz können helfen 

Der Lebensmittelhandel wird immer komplexer. Von Händlern wird erwartet, dass sie eine große Auswahl anbieten, um dem Bedürfnis der Konsumenten nach Vielfalt und Komfort gerecht zu werden. Gleichzeitig sollen sie aber auch lokale Produkte mit kurzen Transportwegen und beschränktem Angebot im Sortiment haben.

Der Wettbewerb wird immer härter, da inzwischen auch Discounter lokale Frischwaren zu günstigen Preisen anbieten und dadurch an Beliebtheit gewinnen. Traditionelle Lebensmittelhändler müssen sich neu positionieren – sei es durch höhere Qualität zu günstigeren Preisen, ein breiteres Angebotsspektrum oder ganz spezielle Produktangebote.

Ein optimierter Lagerbestand ist der entscheidende Faktor im modernen Lebensmittelhandel. Wer es nicht schafft, die richtigen Produkte zur richtigen Zeit mit der richtigen Herkunft und in der gewünschten Frische im Regal zu haben, verliert Kunden an den Wettbewerb.

KI-Technologie kann maßgeblich dazu beitragen, die immer komplexer werdenden Lieferketten in der Lebensmittelbranche, die von geringen Margen und hohen Anforderungen geprägt ist, zu optimieren. So können Lebensmittelhändler ihre Bestellentscheidungen verbessern, indem sie die lokale Demografie, Einkaufsmuster und weitere Daten zur Situation analysieren. KI-Lösungen wie die von Blue Yonder liefern automatisierte Entscheidungen und ermöglichen Lebensmittelhändlern, ihre Supply Chain zu optimieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

  

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